12 Bücher in 12 Wochen (XII): Ein Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

An der Uni besuchte ich ein Psychologieseminar mit dem Titel „Das Leiden literarischer Figuren“. Die Hauptpersonen in den gelesenen Werken leiden alle unter mehr oder weniger schlimmen psychischen Erkrankungen. Folgendes Buch ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben:

 

Jonathan Franzen: Die Korrekturen

Enid und Alfred „Al“ Lambert sind seit 48 Jahren verheiratet und  leben in St. Jude, einer Kleinstadt im mittleren Westen der USA. Ihre Tochter Denise und die beiden Söhne Gary und Chipper haben die konservative Gegend längst verlassen und sind an die Ostküste gezogen.

> Sohn Chipper „Chip“ Lambert war Assistenzprofessor in Connecticut und machte sich Hoffnungen auf einen Professorentitel. Als seine Affäre mit der Studentin Melissa und ein Betrug aufgedeckt wurden, legte ihm die Rektorin nahe, zu kündigen. Seinen Eltern erzählt er, dass er eine tolle Schriftstellerkarriere vor sich habe. In Wahrheit hat er Schulden, verarbeitet seine College-Erlebnisse zu einem Drehbuch und schreibt für eine Künstlerzeitschrift.

> Denise zog zum Studium nach Philadelphia, wo ihr älterer Bruder Gary und dessen Ehefrau Caroline sich gerade eine Traumvilla gekauft hatten. Allerdings ging sie vorzeitig vom College ab und wurde stellvertretende Küchenchefin. Als sie ein Angebot bekommt, Erfahrungen in europäischer Kochkunst zu sammeln, sagt sie begeistert zu. Doch erst hat sie eine Affäre mit ihrem Chef Brian, dann verliebt sie sich in dessen Frau Robin. Brian erfährt vom Verhältnis seiner Frau mit Denise und entlässt seine Küchenchefin.

> Vorzeigesohn Gary ist Abteilungsleiter bei einer Bank, seit 20 Jahren verheiratet und hat mit Caroline drei Kinder. Nach entsetzlichen Weihnachtstagen bei Enid und Alfred vor neun Jahren hatte Caroline ihrem Mann das Versprechen abgenommen, sie nie wieder zu bitten, das Weihnachtsfest in St. Jude zu verbringen.

 

Mittlerweile ist Alfred in Pension, und es wäre endlich an der Zeit, das Leben zu geniessen. Allerdings reichen Alfreds Ambitionen selten weiter als zu seinem blauen Sessel. Ausserdem fangen seine Hände immer stärker an zu zittern: Al leidet zunehmend unter Parkinson, doch Enid will es nicht wahrhaben und nörgelt stattdessen an ihm rum.

Im August reisen Al und Enid nach New York, wo sie Chip besuchen wollen, bevor sie an Bord eines luxuriösen Kreuzfahrtschiffs der „Nordic Pleasurelines“ gehen. Ausgerechnet an diesem Tag wird Chip von seiner Freundin Julia, der er sein Drehbuch anvertraute, verlassen. So überlässt er die Bewirtung von Enid und Alfred seiner Schwester Denise und eilt Julia nach. Statt auf Julia trifft er auf den Ehemann von Julia‘s Chefin, der ihn gleich für einen Geldeintreiber-Job in Vilnius anheuert.

Alfred ist während der Kreuzfahrt zunehmend geistig verwirrt. Um Beruhigungsmittel für ihn zu besorgen, geht Enid zur Krankenstation auf dem Schiff. Der Arzt überredet Enid, nicht ein Beruhigungsmittel für ihren Mann, sondern ein Medikament zur Verbesserung ihres eigenen Befindens einzunehmen und gibt ihr acht unverkäufliche Ärztemuster eines in den USA noch nicht zugelassenen Medikamentes.

Auf dem Deck hört Alfred ein Kichern. Daraufhin beugt er sich über die Reling und erblickt eine nackte Frau. Um besser sehen zu können, lehnt Alfred sich noch weiter hinaus – und fällt acht Etagen tief ins eiskalte Wasser. Er überlebt den Sturz und die Unterkühlung. Obwohl Enid es nicht wahrhaben will, ahnt sie, dass sie mit der Pflege Alfreds auf Dauer überfordert ist und das Haus in St. Jude aufgeben muss. Ihr größter Wunsch ist es, Weihnachten noch einmal mit ihren drei Kindern gemeinsam in St. Jude zu feiern…

 

Meine Meinung zum Buch:
„Die Korrekturen“ ist ein relativ langer Roman und enthält viele verstrickte Rückblenden. Die Geschichte ist sehr lesenswert und zuweilen skurill komisch. Enid versucht ständig, Kindern und Enkeln ihre Lebensentwürfe aufzudrängen und ein schlechtes Gewissen einzureden, damit diese ihre eigenen unerfüllten Wunschträume verwirklichen. Gary tendiert zu manisch-depressiven Phasen und lässt sich von seiner Frau befehlen. Chip und Denise ruinieren sich ihre Karrieren durch sexuelle Eskapaden und wandern immer wieder ziellos durchs Leben. Alfred versteht nicht, was eigentlich alle immer von ihm wollen. Trotz einiger langatmiger Passagen ist es spannend, diesen Figuren zu folgen.

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