Wenn Parallelwelten plötzlich lukrativ werden

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich im Artikel „Parallelwelten als eigene Ideen ausgeben“ darüber geschrieben, wie ursprünglich online publizierte Twilight-FanFiction plötzlich in gedruckter Form in den Bücherregalen oder als eBooks auf den E-Readern und Smartphones landet.

Letzten Mai hat  TWCS Publishing House eine der bisher bekanntesten – und auch „versautesten“ – dieser Geschichten als Trilogie rausgebracht. Genau, die Rede ist von “Fifty Shades of Grey” (ursprünglich „Master of the Universe“ oder MOTU) von der britischen Autorin E.L. James.

Seither ist einiges passiert, denn das Buch hat dank Mund-zu-Mund-Propaganda und den sozialen Netzwerken eingeschlagen wie eine Bombe; ist seit Wochen auf der New York Times Bestseller-Liste und als Buchversion mehr oder weniger überall ausverkauft, da TWCS als kleines, unabhängiges Verlagshaus nicht mit Drucken nachkommt. Wörter wie „Mommy Porn“ machen die Runde. Psychology Today befasst sich wegen der Themendebatte mit BDSM und warum sich karrierehungrige, emanzipierte Frauen mit einer Heldin identifizieren wollen, die sich einem Mann sexuell unterwirft und Fesselspielen hingiebt. Hollywood streitet sich um die Filmrechte. Die Trilogie wird nicht mehr nur verschämt und heimlich am Computer verschlungen, sondern in Talk-Shows und renommierten Live-Sendungen wie der „Today Show“ oder auf ABC diskutiert.

Die Buchrechte wurden letzten Monat für eine 7-stellige Summe an Vintage Books (Random House) verkauft – die Trilogie geht jetzt in den Nachdruck, um den Lesehunger nach sexy Literatur zu stillen. Und es sind nicht nur die angeblich sexuell frustrierten „Desperate Housewives“, die sich auf die Bücher stürzen – Erotica lesen ist en vogue geworden und man muss sich nicht mehr schämen, so ein Buch auf dem Nachttisch liegen zu haben. Weshalb jetzt auch ausländische Verlagshäuser um die Buchrechte streiten und sich langsam auch deutschsprachige Medien wie die Bild, die Annabelle oder der Tagesanzeiger mit der Buchreihe befassen. Und sogar katholische Geschäfte wie Weltbild (die sich ansonsten so katholisch geben, dass nicht mal „Das Sakrileg“ / „The DaVinci Code“ erhältlich ist) das grosse Geschäft wittern und „Fifty Shades“ bereits als (englisches) E-Book anbieten.

Übrigens sind „Fifty Shades“ und „Master of the Universe“ (mit kleinen Abänderungen und Zusätzen) auch jene Begriffe, die am häufigsten in der Google-Suchwörter-Statistik für diesen Blog zu finden sind. Und nein, ich habe das Buch nicht gelesen. Auch die Originalversion nicht. Wer des Englischen nicht mächtig ist, muss aber nicht mehr lange warten: Im Sommer wird „Fifty Shades“ auf Deutsch bei Goldmann erscheinen.

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