12 Filme in 12 Wochen (I): Der Film, den du zuletzt im Kino gesehen hast

„I smell sex all over you.“ (Elise)
„It’s not the sex you think i’ve had. It’s the sex I want.“ (Eric)

Cosmopolis (Canada, 2012)

New York  im April 2000. Eric Packer (Robert Pattinson), erfolgreicher und steinreicher Vermögensverwalter von 28 Jahren, fährt in seiner eigens für ihn angefertigten  Stretchlimousine quer durch die Stadt. Weltweit wackeln die Börsenkurse, aber Eric hat sich neben dem „Business as usual“ (gegen den Yen spekulieren, die tägliche Arztvisite, seine neue Frau Elise (Sarah Gadon) besser kennen lernen, Sex haben) etwas für den heutigen Tag vorgenommen: Er braucht einen neuen Haarschnitt und fährt zu seinem Stamm-Coiffeur am anderen Ende der Stadt. Das Vorhaben erweist sich aber schwieriger als erwartet: Der Präsident ist in der Stadt, ein Beerdigungs-Zug zur Ehre eines verstorbenen Rappers verstopft die Strassen, es wird demonstriert und eben wurde eine Todesdrohung gegen ihn ausgesprochen…

„Cosmopolis“ ist David Cronenbergs Verfilmung des gleichnamigen Buches von Don DeLillo. Der Film wurde letzte Woche in Cannes vorgestellt und erhielt eine Standing Ovation von mehr als 8 Minuten. Die Kritiken sind aber wie immer zwiespältig – entweder man liebt den Film oder man hasst ihn. Ich liebe ihn.

„Do you need a haircut?“ (Elise)
„I need anything you can give me.“ (Eric)

Ich habe bisher noch nicht viele Filme von Cronenberg gesehen. „A Dangerous Method“ war mir etwas zu langfädig. „Eastern Promises“ mochte ich ganz gut, „Spider“ liebe ich (siehe meinen früheren Beitrag „Von Spinnen und Spinnern“ für weitere Informationen). „A History of Violence“ liegt seit Wochen auf meinem „noch-zu-guckende-DVDs“-Stapel.

In „Cosmopolis“ wird ganz schön viel gesprochen und querbeet philosophiert – und es macht nicht immer Sinn. Aber das liegt wohl daran, dass Cronenberg die Dialoge von DeLillo quasi eins zu eins übernommen hat – und das Buch macht auch nicht immer Sinn; weder die Dialoge noch warum die Charaktere handeln, wie sie handeln. Einige monieren auch, die Trailer seien irreführend; sie hatten eine Art Actionthriller erwartet, und das ist „Cosmopolis“ ganz und gar nicht. Interessant ist, wie sich fast alle Szenen in Erics Limo abspielen; er muss eigentlich nirgends hingehen, wenn er nicht will, die ganze Welt kommt zu ihm. Er hat sich seine eigene kleine Welt erschaffen, die ihn aber plötzlich einengt.

Die Frage ist: Muss man immer alles verstehen, um es zu geniessen? Nein. Filme sind Kunst; und Kunst muss man nicht immer verstehen. Oder warum gucken wir uns immer wieder komische Bilder von anscheinend verrückten Malern in Museen an? Sowohl das Buch als auch der Film laden zum Nachdenken ein. Und es ist doch interessant zu wissen, dass DeLillo sein Buch vor bereits 12 Jahren geschrieben hat, aber Teile davon (z.B. Aktionen wie Occupy Wallstreet) genau zum Drehzeitpunkt in Toronto wahrgeworden sind.

„But we still want what we want. We want a haircut.“ (Eric)

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