Immer wieder Abwechslung im Pendler-Alltag…

… schon wieder Verspätung des ICE (die liebe Deutsche Bahn), frieren unter der Klimaanlage (obwohls draussen schön warm ist), 20 Minuten im Swisscom-Shop anstehen, verregnet werden (obwohl es erst nach 18 Uhr hätte regnen sollen), Kindergekreische das sogar einer Polizeisirene Konkurrenz macht, Tussi die den Zug als Umkleidekabine und Schminkstation missversteht, Mitfahrer im Bus der es nicht für nötig hält, seinen Joint vor dem Einsteigen auszumachen…

Mehr oder weniger schöne Überraschungen bleiben auch nach Jahren nicht aus…

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12 Bücher in 12 Wochen (XI): Ein Buch, das dich an einen Ort erinnert

Hm… da ich Bücher meist unterwegs im Zug lese, erinnern sie mich eher an die Gefühle während des Lesens als an die Orte an sich. Denn mein Ort ist ja immer in Bewegung und wird nur aus meinen Augenwinkeln wahrgenommen… wenn, dann erinnere ich mich mit Glück vielleicht gerade noch an die Zugstrecke.

Die meisten Bücher sind irgendwo auf der Strecke zwischen Bern und St. Gallen zum Einsatz gekommen, aber es gibt auch ein paar Ausnahmen, die mir in Erinnerung geblieben sind.

Im 2006 hab ich ein 3-monatiges Praktikum in Davos gemacht – und nach 4 Jahren Pendeln auf gleicher Strecke war es seltsam, plötzlich auf einer neuen Strecke unterwegs zu sein. Bücher, die ich unterwegs gelesen habe, sind zum Beispiel „The Smoke Jumper“ von Nicolas Evans (bereits in einem früheren Beitrag vorgestellt) oder „Dark Paradise“ von Tami Hoag.

Im April und Mai 2009 bin ich während 6 Wochen durch Canada gereist. Im Gepäck hatte ich „New Moon“ von Stephenie Meyer (ich glaube, das Buch habe ich sogar zweimal nacheinander gelesen) und „Harry Potter and the Deathly Hallows“ von J. K. Rowling.

Ich erinnere mich, die meisten Seiten von NM in und um Vancouver und den grössten Teil von HP7 im „Beez Knees“-Backpacker-Hostel in Whitehorse gelesen zu haben – eingelullt in einem bequemen Sessel am Fenster. Wegen des späten Schnees waren einige Reisende am Yukon gestrandet und mussten Kajak und Fahrrad ruhen lassen.

Unterwegs zwischen Kelowna und Montreal hatte ich mir ein billiges Taschenbuch besorgt, weil ich bereits da schon befürchtete, mir würde der Lesestoff ausgehen – das Buch war aber so grottenschlecht, dass ich mich nicht mal mehr an Titel und Autor erinnern kann… nur daran, dass es sehr blutig war und die Autorin versucht hat, einen auf „Schweigen der Lämmer“ zu machen… in einem Hostel auf Vancouver Island hab ichs gegen „Bleedout“ von Joan Brady ausgetauscht, das ich aber erst  im Dezember in Budapest angefangen hab, zu lesen.

Im Mai 2010 reiste ich geschäftlich nach Norwegen und hatte „Chasing Harry Winston“ von Lauren Weisberger im Gepäck. Was hab ich mich scheckig gelacht. Ideal, um die Wartezeit auf den Anschlussflieger in Amsterdam abzukürzen.

Ein Jahr später reiste „Death du Jour“ von Kathy Reichs nach Berlin und London mit.

Wenn ich ins Regal mit den Kinderbüchern sehe mit Werken wie die Serie „Geheimnis um…“ von Enid Blyton oder die Bücher von Wolfgang Hohlbein, erinnere ich mich an mein bequemes Bett und meine frühere Tagesdecke. Da drauf hab ich immer gelesen… und jetzt hab ich direkt Lust, diese Bücher wieder hervorzukramen…

Freuden und Leiden des Umzugs…

Ich bin kein Jäger, aber ein Sammler.  Und wer den Luxus hat, über genügend Platz zum Sammeln zu verfügen, braucht sich ja auch nicht soviele Gedanken zu machen, wenn Gegenstände beim Aufräumen oder Ausmisten durch die Hände gehen und dann doch wieder am alten Platz landen.

Jetzt muss ich mich aber doch wieder einmal näher damit befassen. Ich ziehe um bzw. aus und lege meine beiden Haushalte – Wochenaufenthalter sei Dank – zusammen. Was bedeutet, dass jetzt nicht nur zwei Kleiderschränke in einen passen müssen, sondern ich mich generell von Dingen trennen darf, muss und soll. 

Als langjähriger Pendler und Wochenaufenthalter mit zwischenzeitlich drei oder gar vier regelmässigen Übernachtungsmöglichkeiten besitze ich grundlegende Dinge doppelt (oder gar dreifach). Das fängt bei der Zahnbürste, Reinigungsmittel für Kontaktlinsen und schwarzen 3/4-Arm-Shirts an und hört bei der Unterwäsche auf. Alleine mit meinem Vorrat an Socken könnte ich ein ganzes Sommerferienlager versorgen… und ich habe Seidenstrümpfe in allen Farben in meiner Kommode gefunden, obwohl ich schon seit Jahren gar keine Strümpfe mehr trage.

Von all den Kerzen, Bastelmaterial und Büchern mag ich jetzt gar nicht erst anfangen. Ich habe irgendwo noch sämtliche Zeichnungen seit dem Kindergarten…

Hm. Das wird lustig.

12 Bücher in 12 Wochen (Extra II): Du bist, was du liest

Letzte Woche hatte ich das seltene Glück, mal nicht einem gegenüber zu sitzen, der komisch riechenden Salat isst, tief versunken auf sein Laptop einhämmert, stundenlang in den wildesten Sprachen in sein Handy brüllt oder Musik in einer Lautstärke über seinen iPod hört, dass mir beinahe die Ohren wackeln.

Nein, da sitzt ein junger Kerl, mehr oder weniger in meinem Alter (jaaaa, ich zähle mich quasi noch zur Jugend *lol*), Typ schweizerisch-kanadischer Holzfäller mit dunklem Lockenkopf, Dreitagebart, Mammut-Jacke und Camping-Gepäck. Passend zu meiner Mammut-Jacke und meinem kanadischen Schlüsselanhänger an der Air-Canada-Reisetasche.

Oh làlà!

Und dann packt er ein Buch aus. Aha, gut aussehend, abenteuerlustig UND belesen.

Oh làlà!

Und dann sehe ich das Cover des Buches, und es ist ein Roman von Charlotte Link.

Nix mehr oh làlà.

Du bist was du liest… tatsächlich? Wenn ich Charlotte Link für eine romantische-Liebesgesäusel-Roman-Schreiberin halte… ist er dann romantisch? Langweilig? Ein Weichei?

Oder bin ich einfach mal wieder voreilig auf ein Klischee reingefallen… und er hat irgend ein Buch aus dem Regal gegriffen? Sich das Buch seiner Freundin vom Nachttisch geschnappt? Ist einem Input oder dem Ratschlag eines Freundes gefolgt? Oder schreibt gar ein Blogstöckchen, arbeitet für eine Literaturkritik-Zeitschrift und liest zur Recherche?

Ich will ja gar nicht wissen, was die Leute von mir halten, wenn sie MICH im Zug lesen sehen… Meine „Lese-Intelligenz“ ist seit Studiumsabschluss rapide gesunken. Zur Zeit widme ich  mich gerade „Dead until Dark“ von Charlaine Harris. Ja, das ist die Vorlage zur Vampirserie „True Blood„.

Vorher las ich „Death du Jour“ von Kathy Reichs und parallel den aktuellen Band der House-of-Night-Reihe (Awakened) von Mutter und Tochter Cast. Jup, die Vorlage zur TV-Serie „Bones“ und ein weiterer Roman mit Vampiren und anderen seltsamen Geschöpfen der Nacht.

Und ich glaube nicht, dass die Tatsache, dass ich die Bücher in Englisch lese, mehr Eindruck auf meine Mitpassagiere macht – im Gegenteil. Die verdrehen wahrscheinlich höchstens innerlich die Augen und denken „Noch so eine“…

Kein Wunder, dass mich in letzter Zeit niemand mehr anspricht. Früher ergaben sich häufiger Gespräche wegen meiner Studienunterlagen und Artikel… was ich studiere, wo und warum, was ich nacher damit machen will, und wieso ich auf Englisch lese?

Ich sollte wohl wieder mal meine Flirtstrategie überdenken und wichtig aussehende Artikel mit auf Reisen nehmen… 😉

Meine „intelligentere“ Trivial-Literatur – ich will ja nicht ganz einrosten! – liegt übrigens neben dem Bett auf dem Boden… und wird noch ein Weilchen dort bleiben, denn für „kluge“ Bücher brauche ich mehr Hirnkapazität, was dazu führt, dass ich nach wenigen Seiten schon so müde bin, dass das Licht gelöscht wird.

Aber überhaupt… wer bestimmt schon, welche Literatur „intelligent“ ist und welche nicht? Hauptsache, es wird gelesen. In Computer und TV und auf’s Handy-Display starren tun wir schliesslich schon genug…