12 Bücher in 12 Wochen (VIII): Ein Buch aus deiner Kindheit

Was, nur EIN Buch? Da kann ich mich doch gar nicht entscheiden… da gibts doch sooooooooooo viele tolle Bücher, die erwähnenswert finde…

Gerne in Erinnerung bleibt mir zum
Beispiel „Der kleine Wassermann“
von Ottfried Preussler.

Der kleine Wassermann wohnt
am Grunde des Mühlenweihers und 
ist ein kleiner Junge mit grünen
Haaren, roter Zipfelmütze  und
Schwimmhäuten zwischen den
Zehen, wie es sich für einen
richtigen Wassermann gehört.

Bald erlebt der kleine Wassermann
mit seinem Vater oder mit seinem
Freund, dem Karpfen Cyprinus, viele
Abenteuer.

  Denn zu entdecken gibt es nicht nur das neunäugige
Monster, sondern auch von den Menschen
liegengelassener Abfall, Schlingpflanzen und ein
grosses Mühlrad…

Genau so gerne habe ich aber die anderen Bücher von
Preussler gelesen – zum Beispiel die Abenteuer von der kleinen
Hexe und vom kleinen Gespenst und natürlich die
Geschichten vom Räuber Hotzenplotz.

12 Bücher in 12 Wochen (VII): Das 9. Buch in deinem Regal von rechts

Im Leben macht wahrscheinlich jeder gewisse Lese-Phasen durch. Ende Primarschule war es bei mir vorzugsweise Fantasy (à la „Märchenmond“ von Wolfgang Hohlbein), anfangs Sekundarschule hatte ich eine „Erfahrungen-Phase“ (à la „Zwei Frauen“, „Reto, HIV-positiv“, „Wüstenblume“, „Die weisse Massai“ oder „Nicht ohne meine Tochter“), später kamen dann die Krimis (vorzugsweise von John Grisham, Tami Hoag und Joy Fielding). Kurzzeitig hatte ich auch meine kitschige Liebesroman-Phase, und dabei zählt „Bridget Jones“ noch zu jenen Büchern, von denen man ohne Rotwerden erzählen darf. Über die anderen breite ich erstens lieber den Mantel des Schweigens, zweitens sind die längst verkauft oder verschenkt worden. Eines ist aber noch übrig und ist damit mein 9. Buch von rechts.
(Auf der Etage darüber wäre es übrigens „Harry Potter and the Deathly Hallows“ gewesen; ich drücke mich also nicht vor schwierigen Aufgaben *lach*).

Susan Elizabeth Phillips: Küss mich, Engel.

Eine arrangierte Ehe in unserer Zeit? Ja, die gibt es noch. Daisy Deveraux, verwöhnte und lebenslustige Tochter aus reichem Haus, hat genau zwei Möglichkeiten: Entweder sie wandert ins Gefängnis oder sie entscheidet sich für die vom Vater gestiftete Ehe. Ihr Gatte, der attraktive, aber humorlose Alex Markov, hat jedoch nicht die geringste Lust, sich auf die Champagner-Allüren seiner Frau einzulassen, und verschleppt sie aus der besseren Gesellschaft in seinen heruntergekommenen Wanderzirkus. Der Schock ist gross, als Daisy feststellt, dass sie – die doch Angst vor Tieren hat und in ihrem Leben noch nie wirklich gearbeitet hat – tüchtig mit anpacken soll. Was ihr Mann allerdings nicht ahnt: In Daisy hat er eine ebenbürtige Partnerin gefunden – sie ist ebenso dickköpfig, stolz und heissblütig wie er…

Meine Meinung zum Buch: Natürlich ist die Ausgangssituation an den Haaren vorbeigezogen und passend zum Genre hat die Story schon fast etwas von einer Märchen-Mischung (König Drosselbart, Schneewittchen und Aschenputtel). Auch die Charaktere bedienen alle Klischees. Daisy ist eine naive Jungfrau, klein und zierlich, empfindet sich selbst als durchschnittlich und unnütz und Alex ist betörend schön mit den seltsam hypnotischen, goldenen Augen einer Raubkatze… (Hm, woran erinnert mich das bloss???)

Zur Alleinunterhaltung reicht das Buch aber alleweil und der Zirkus ist immerhin eine spannende Umgebung für all die romantischen Dramen der Bücherwelt…

12 Bücher in 12 Wochen (Extra I): Wie habt ihr eure Regale sortiert?

Teilnehmer des Blogstöckchens „31 Tage – 31 Bücher“ haben die Leser ihres Blogs häufig gefragt, wie sie ihre Bücherregale sortiert haben. Tatsächlich gibt es da eine grössere Anzahl an Möglichkeiten:

> Alphabetisch nach Autor
> Alphabetisch nach Titel
> nach Grösse
> nach Farbe
> nach Sprache
> nach Genres
> nach Erscheinungsjahr
> nach Lesealter
> nach Wertschätzung

Meine Fachliteratur ist platzeshalber aufeinandergestapelt und deshalb zwangsweise nach Grösse sortiert, meine „Trivial-Literatur“ und die Schulpflicht-Lektüre stehen hingegen nach Farbe geordnet ohne feste Regeln.

Etage Zwei, 5. Juni 2011

Warum ich irgendwann angefangen habe, nach Farbe zu ordnen? Keine Ahnung, ist für mich einfach am praktischsten. Ich erinnere mich besser an das Aussehen eines Buches als an Autor oder Titel, da genügt ein rascher Griff ins Regal und schwupps ist es schon zur Hand. Und gross sortiert werden muss auch nicht; es sollte einfach in der ungefähr passenden Farbkategorie stehen.

Etage Drei, 5. Juni 2011

 Da spielt es dann auch keine Rolle, wenn Houellebecq neben Kinsella zu stehen kommt – obwohl der sich wahrscheinlich deswegen die Haare raufen würde 😉

12 Bücher in 12 Wochen (VI): Ein Buch von dem niemand gedacht hätte, dass du es gelesen hast

Sobald ich lesen konnte, wars um mich geschehen: Jeden Tag musste gelesen werden; möglichst schnell und möglichst viel. Da konnte es dann schon mal vorkommen, dass während der Sommerferien 10-12 Bücher durchgelesen wurden – und ich rede hier nicht von Comics oder Kinderbüchern mit grosser Schrift und möglichst wenig Seiten.

In den Ferien gabs jeweils ein nigelnagelneues Buch direkt aus der Buchhandlung; aber irgendwann mit 10 oder 11 war nicht nur dieses bereits zu Ende, sondern auch sämtliche „Geheimnis um…“ Bände meiner Schwester und alle „Reader’s Digest“-Ausgaben meiner Grossmutter durchgelesen und die eigenen Bücher kannte ich langsam auswendig. Was nun? Man greift ins Büchergestell der Mutter. Statt Winnetou oder Heidi wars dann aber

Der Arzt von Stalingrad (Konsalik)

Wieso habe ich damals dieses Buch ausgewählt? Keine Ahnung. Das Cover war wohl nicht besonders ansprechend für eine 10jährige und auch mit Kriegsgeschichten hatte ich nicht besonders viel am Hut.

Und um die Handlung zu rekonstruieren, brauche ich den Klappentext: Das riesige Kriegsgefangenenlager von Stalingrad mit seinen Tausenden von deutschen Kriegsgefangenen ist der Hintergrund des Berichts über jene Männer, die in eisigen Wintern, unter primitivsten Verhältnissen und ohne ausreichende Instrumente nur eine Aufgabe kannten: anderen zu helfen. Da wird schon mal mit dem Taschenmesser ein Bein amputiert und mit Drillbohrer und Schlosserhammer am Kopf operiert. Damit rettet Lagerarzt Dr. Böhler seinem Freund und Widersacher Dr. von Sellnow das Leben. Irgendwie gibts da auch noch eine mannstolle Deutschenhasserin (Kasalinsskaja) und die an der Tuberkulose dahinsiechende Janina Salja.

Was alles passiert und wie es ausgeht: Keine Ahnung mehr. Obs mir gefallen hat? Keine Ahnung. Obs meine Ansicht des 2. Weltkrieges geprägt hat? Weiss ich nicht. Allerdings hatte ich bis dahin überhaupt keine Ahnung über die damaligen Geschehnisse; auch um die Bedeutung des Mauerfalls zu verstehen, war ich damals wohl noch zu jung und unwissend.

Im selben Sommer hatte ich übrigens auch den Reisebericht über Howard Carter zu den Ausgrabungen von Tutenchamun gelesen… Ihr seht, ich muss schwer verzweifelt gewesen sein, an neuen Lesestoff zu kommen 😉

12 Bücher in 12 Wochen (V): Das Buch in deinem Regal mit den meisten Seiten

Da ich schon als Kind relativ schnell gelesen habe, konnte mir ein Buch gar nicht dick genug sein. Und auch heute noch tue ich mich schwer, ein Buch zu kaufen, das weniger als 300 Seiten hat.

Meine Bücher sind zwecks Renovierung schon vor zwei Wochen weggeräumt worden und deshalb unzugänglich. Trotzdem wage ich zu behaupten, das Buch mit den meisten Seiten in meinem Besitz zu kennen.

Ken Follett: Die Säulen der Erde

„Die Säulen der Erde“ umfasst knapp 1200 Seiten, ist in 6 Bücher gegliedert und spielt im mittelalterlichen England des 12. Jahrhunderts. Als Vorlage diente die Geschichte der Kathedrale von Salisbury.

Tom Builder, von Beruf Baumeister und Vater zweier Kinder, ist auf der Suche nach Arbeit. Bei der Geburt des jüngsten Sohnes stirbt Toms Frau. Da er nicht weiss, wie er das Baby am Leben erhalten soll, entschliesst er sich schweren Herzens, das Kind der Gnade Gottes zu überlassen und lässt es auf dem Grab der Mutter liegen. Das Kind wird jedoch gefunden und unter die Obhut von Philip, Prior des Klosters von Kingsbridge, gestellt. Wie es der Zufall (oder Gott?) will, ist Philip gerade auf der Suche nach einem Baumeister und findet in Tom das geeignete Werkzeug, um den Traum einer neuen Kathedrale, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat, wahr zu machen. Die Folgen des schwelenden Bürgerkrieges, die Launen der Natur und Intrigen und Bosheit herrschsüchtiger Menschen machen daraus allerdings kein leichtes Unterfangen…

„Die Säulen der Erde“ wurde kürzlich als mehrteilige Serie mit fast 600 Minuten Laufzeit in deutsch-kanadischer Co-Produktion verfilmt. Eine Fortsetzung des Buches („Die Tore zur Welt“) ist mitterweile ebenfalls erschienen.

Quelle: Universum Film

Meine Meinung zum Buch: Das Buch habe ich so mit ca. 16 Jahren in einem Schnorz durchgelesen und in der Folge auch alle weiteren verfügbaren Romane von Follett. Auch wenn mir heute rückblickend das Mittelalter ein bisschen verklärt beschrieben erscheint und manche Verstrickungen wie eine Soap Opera anmuten (was mir vor allem beim Film wieder bewusst geworden ist), ist die Story trotzdem hochspannend. Die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz, auch wenn in amerikanischer Manier die Bösen immer bestraft und die Guten immer belohnt werden.

12 Bücher in 12 Wochen (IV): Warum zur Hölle wurde dieses Buch verfilmt?

Alex Garland: Der Strand

Der junge englische Backpacker Richard träumt auf seiner Reise durch Thailand von der unverfälschten Seele des Landes abseits vom Massentourismus. In Bangkok erfährt er zufällig von DEM Strand, und dass dieser Ort mehr als nur Wunschvorstellung sein soll. Zusammen mit dem französischen Pärchen Etienne und Françoise macht er sich auf die Suche nach diesem spektakulären Eiland. Was sie drei finden, ist allerdings nicht unbedingt der Traum jeden Aussteigers mit Wasserfällen, tropischem Dschungel und Korallenriffen, sondern eine Insel, auf der Rauschgift angebaut wird und die bereits von einer kleinen Gruppe junger Leute mit diktatorisch geführtem Regime bewohnt wird. Eines Tages lässt ein Unfall das scheinbar harmonische Zusammenleben ausser Kontrolle geraten…

Meine Meinung zum Buch: Es ist Jahre her, seit ich das Buch mit 15 oder 16 gelesen habe. Damals bin ich per Zufall im Buchladen drauf gestossen und war schon nach ein paar Seiten von der Geschichte angefressen und von der Reiselust gepackt. „Der Strand“ wurde denn auch quasi über Nacht zum Überraschungserfolg. Nachdem ich allerdings den Film gesehen hatte, habe ich den Roman nie mehr angerührt. Der Zauber war irgendwie verflogen.

Meine Meinung zum Film: Die Frage, warum dieses Buch verfilmt wurde, ist eigentlich überflüssig: Sex, Drugs, Rock’n’Roll, ein Mann auf dem Selbstfindungstrip, halbnackte Menschen, Blut und Schläge… was braucht man mehr für eine gute Buchverfilmung? Ich habe auch keine Probleme damit, dass für die Verfilmung eines Buches die Handlung abgeändert und verdichtet werden muss. Die beiden Medien sind nunmal grundverschieden und Anpassungen unumgänglich. Auch die Rollen sind nicht schlecht besetzt. Mich stört eher die typische „Veramerikanisierung“ des Stoffes. Richard ist kein schwarz-haariger Engländer aus der Arbeiterklasse mit militärischen Kenntnissen, sondern ein  blonder, obercooler California-Playboy. Es reicht auch nicht, dass sich Richard in Françoise verliebt; nein, er muss natürlich auch Sex mit ihr haben und damit eine langjährige Beziehung zerstören – nur um kurz darauf auch noch mit der Anführerin zu schlafen. Die starke Veränderung der Handlungsstränge führt auch zu einer Verzerrung der Persönlichkeit der Charaktere.

Insgesamt eine eher unglückliche Buchverfilmung – gerade auch deshalb, weil als Kulisse ausgerechnet ein Naturschutzgebiet herhalten musste, das auch noch komplett umgegraben wurde. Was anschliessend einen Rechtsstreit nach sich zog, der über Jahre andauerte. Und das wegen der Verfilmung eines Buches, das als Hauptthema unter anderem die Ausbeutung der Natur durch den Massentourismus anprangert. Schade.

12 Bücher in 12 Wochen (III): Das 4. Buch in deinem Regal von links

Life isn’t about what happens to you, it’s about how you handle what happens.

Nicholas Evans: The Smoke Jumper

Jeden Sommer treffen sich der intellektuelle, aber erfolglose Musicalschreiber Ed und der gut aussehende Naturbursche und Photograph Connor in Montana, um als „Feuerspringer“ die verheerenden Waldbrände zu bekämpfen. Sie sind zwei Freunde, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, doch sie wissen, dass sie sich auch in kritischen Situationen aufeinander verlassen können.

Doch in diesem Sommer ist alles anders. Ed hat seine Freundin Julia mitgebracht, und Connor verliebt sich in die schöne junge Frau. Auch Julia fühlt sich zu Connor hingezogen, verleugnet aber ihre Gefühle. Als sich Ed bei einem dramatischen Einsatz schwer verletzt, bleibt Julia bei ihm – aus Mitleid. Connor, der sich schwere Vorwürfe macht, seinem Freund im entscheidenden Moment nicht geholfen zu haben, verschwindet aus dem Leben der beiden. In einem anderen Land, auf einem anderen Kontinent versucht er als Photograph in Krisengebieten Julia zu vergessen – mehr oder weniger erfolglos. Als er verletzt wird und nach Hause zurückkehrt, bitten Ed und Julia ihn, für die beiden mit einer Samenspende auszuhelfen, denn Ed ist wegen eines Medikamentes unfruchtbar geworden…

Fazit: „Der Feuerspringer“ tönt nach einer komplizierten Handlung mit einem dieser unmöglichen und vorhersehbaren Liebes-Dreiecke? Ja, ist es aber nicht. Und auch nicht so schnulzig, wie die Verfilmung von Nicholas Evans‘ Bestseller „The Horse Whisperer“ (Der Pferdeflüsterer) vermuten lässt. Im Gegenteil, die Beschreibung der Löschaktionen ist unheimlich spannend und die Liebe erstmal Nebensache. Ausserdem geht es vielmehr um die üblichen grossen Lebens-Themen wie Sinnsuche, Vergangenheit und Glück. Wie immer gilt: Wenn möglich im Original lesen!