12 Bücher in 12 Wochen (VI): Ein Buch von dem niemand gedacht hätte, dass du es gelesen hast

Sobald ich lesen konnte, wars um mich geschehen: Jeden Tag musste gelesen werden; möglichst schnell und möglichst viel. Da konnte es dann schon mal vorkommen, dass während der Sommerferien 10-12 Bücher durchgelesen wurden – und ich rede hier nicht von Comics oder Kinderbüchern mit grosser Schrift und möglichst wenig Seiten.

In den Ferien gabs jeweils ein nigelnagelneues Buch direkt aus der Buchhandlung; aber irgendwann mit 10 oder 11 war nicht nur dieses bereits zu Ende, sondern auch sämtliche „Geheimnis um…“ Bände meiner Schwester und alle „Reader’s Digest“-Ausgaben meiner Grossmutter durchgelesen und die eigenen Bücher kannte ich langsam auswendig. Was nun? Man greift ins Büchergestell der Mutter. Statt Winnetou oder Heidi wars dann aber

Der Arzt von Stalingrad (Konsalik)

Wieso habe ich damals dieses Buch ausgewählt? Keine Ahnung. Das Cover war wohl nicht besonders ansprechend für eine 10jährige und auch mit Kriegsgeschichten hatte ich nicht besonders viel am Hut.

Und um die Handlung zu rekonstruieren, brauche ich den Klappentext: Das riesige Kriegsgefangenenlager von Stalingrad mit seinen Tausenden von deutschen Kriegsgefangenen ist der Hintergrund des Berichts über jene Männer, die in eisigen Wintern, unter primitivsten Verhältnissen und ohne ausreichende Instrumente nur eine Aufgabe kannten: anderen zu helfen. Da wird schon mal mit dem Taschenmesser ein Bein amputiert und mit Drillbohrer und Schlosserhammer am Kopf operiert. Damit rettet Lagerarzt Dr. Böhler seinem Freund und Widersacher Dr. von Sellnow das Leben. Irgendwie gibts da auch noch eine mannstolle Deutschenhasserin (Kasalinsskaja) und die an der Tuberkulose dahinsiechende Janina Salja.

Was alles passiert und wie es ausgeht: Keine Ahnung mehr. Obs mir gefallen hat? Keine Ahnung. Obs meine Ansicht des 2. Weltkrieges geprägt hat? Weiss ich nicht. Allerdings hatte ich bis dahin überhaupt keine Ahnung über die damaligen Geschehnisse; auch um die Bedeutung des Mauerfalls zu verstehen, war ich damals wohl noch zu jung und unwissend.

Im selben Sommer hatte ich übrigens auch den Reisebericht über Howard Carter zu den Ausgrabungen von Tutenchamun gelesen… Ihr seht, ich muss schwer verzweifelt gewesen sein, an neuen Lesestoff zu kommen 😉

12 Bücher in 12 Wochen (V): Das Buch in deinem Regal mit den meisten Seiten

Da ich schon als Kind relativ schnell gelesen habe, konnte mir ein Buch gar nicht dick genug sein. Und auch heute noch tue ich mich schwer, ein Buch zu kaufen, das weniger als 300 Seiten hat.

Meine Bücher sind zwecks Renovierung schon vor zwei Wochen weggeräumt worden und deshalb unzugänglich. Trotzdem wage ich zu behaupten, das Buch mit den meisten Seiten in meinem Besitz zu kennen.

Ken Follett: Die Säulen der Erde

„Die Säulen der Erde“ umfasst knapp 1200 Seiten, ist in 6 Bücher gegliedert und spielt im mittelalterlichen England des 12. Jahrhunderts. Als Vorlage diente die Geschichte der Kathedrale von Salisbury.

Tom Builder, von Beruf Baumeister und Vater zweier Kinder, ist auf der Suche nach Arbeit. Bei der Geburt des jüngsten Sohnes stirbt Toms Frau. Da er nicht weiss, wie er das Baby am Leben erhalten soll, entschliesst er sich schweren Herzens, das Kind der Gnade Gottes zu überlassen und lässt es auf dem Grab der Mutter liegen. Das Kind wird jedoch gefunden und unter die Obhut von Philip, Prior des Klosters von Kingsbridge, gestellt. Wie es der Zufall (oder Gott?) will, ist Philip gerade auf der Suche nach einem Baumeister und findet in Tom das geeignete Werkzeug, um den Traum einer neuen Kathedrale, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat, wahr zu machen. Die Folgen des schwelenden Bürgerkrieges, die Launen der Natur und Intrigen und Bosheit herrschsüchtiger Menschen machen daraus allerdings kein leichtes Unterfangen…

„Die Säulen der Erde“ wurde kürzlich als mehrteilige Serie mit fast 600 Minuten Laufzeit in deutsch-kanadischer Co-Produktion verfilmt. Eine Fortsetzung des Buches („Die Tore zur Welt“) ist mitterweile ebenfalls erschienen.

Quelle: Universum Film

Meine Meinung zum Buch: Das Buch habe ich so mit ca. 16 Jahren in einem Schnorz durchgelesen und in der Folge auch alle weiteren verfügbaren Romane von Follett. Auch wenn mir heute rückblickend das Mittelalter ein bisschen verklärt beschrieben erscheint und manche Verstrickungen wie eine Soap Opera anmuten (was mir vor allem beim Film wieder bewusst geworden ist), ist die Story trotzdem hochspannend. Die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz, auch wenn in amerikanischer Manier die Bösen immer bestraft und die Guten immer belohnt werden.

12 Bücher in 12 Wochen (IV): Warum zur Hölle wurde dieses Buch verfilmt?

Alex Garland: Der Strand

Der junge englische Backpacker Richard träumt auf seiner Reise durch Thailand von der unverfälschten Seele des Landes abseits vom Massentourismus. In Bangkok erfährt er zufällig von DEM Strand, und dass dieser Ort mehr als nur Wunschvorstellung sein soll. Zusammen mit dem französischen Pärchen Etienne und Françoise macht er sich auf die Suche nach diesem spektakulären Eiland. Was sie drei finden, ist allerdings nicht unbedingt der Traum jeden Aussteigers mit Wasserfällen, tropischem Dschungel und Korallenriffen, sondern eine Insel, auf der Rauschgift angebaut wird und die bereits von einer kleinen Gruppe junger Leute mit diktatorisch geführtem Regime bewohnt wird. Eines Tages lässt ein Unfall das scheinbar harmonische Zusammenleben ausser Kontrolle geraten…

Meine Meinung zum Buch: Es ist Jahre her, seit ich das Buch mit 15 oder 16 gelesen habe. Damals bin ich per Zufall im Buchladen drauf gestossen und war schon nach ein paar Seiten von der Geschichte angefressen und von der Reiselust gepackt. „Der Strand“ wurde denn auch quasi über Nacht zum Überraschungserfolg. Nachdem ich allerdings den Film gesehen hatte, habe ich den Roman nie mehr angerührt. Der Zauber war irgendwie verflogen.

Meine Meinung zum Film: Die Frage, warum dieses Buch verfilmt wurde, ist eigentlich überflüssig: Sex, Drugs, Rock’n’Roll, ein Mann auf dem Selbstfindungstrip, halbnackte Menschen, Blut und Schläge… was braucht man mehr für eine gute Buchverfilmung? Ich habe auch keine Probleme damit, dass für die Verfilmung eines Buches die Handlung abgeändert und verdichtet werden muss. Die beiden Medien sind nunmal grundverschieden und Anpassungen unumgänglich. Auch die Rollen sind nicht schlecht besetzt. Mich stört eher die typische „Veramerikanisierung“ des Stoffes. Richard ist kein schwarz-haariger Engländer aus der Arbeiterklasse mit militärischen Kenntnissen, sondern ein  blonder, obercooler California-Playboy. Es reicht auch nicht, dass sich Richard in Françoise verliebt; nein, er muss natürlich auch Sex mit ihr haben und damit eine langjährige Beziehung zerstören – nur um kurz darauf auch noch mit der Anführerin zu schlafen. Die starke Veränderung der Handlungsstränge führt auch zu einer Verzerrung der Persönlichkeit der Charaktere.

Insgesamt eine eher unglückliche Buchverfilmung – gerade auch deshalb, weil als Kulisse ausgerechnet ein Naturschutzgebiet herhalten musste, das auch noch komplett umgegraben wurde. Was anschliessend einen Rechtsstreit nach sich zog, der über Jahre andauerte. Und das wegen der Verfilmung eines Buches, das als Hauptthema unter anderem die Ausbeutung der Natur durch den Massentourismus anprangert. Schade.

12 Bücher in 12 Wochen (III): Das 4. Buch in deinem Regal von links

Life isn’t about what happens to you, it’s about how you handle what happens.

Nicholas Evans: The Smoke Jumper

Jeden Sommer treffen sich der intellektuelle, aber erfolglose Musicalschreiber Ed und der gut aussehende Naturbursche und Photograph Connor in Montana, um als „Feuerspringer“ die verheerenden Waldbrände zu bekämpfen. Sie sind zwei Freunde, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, doch sie wissen, dass sie sich auch in kritischen Situationen aufeinander verlassen können.

Doch in diesem Sommer ist alles anders. Ed hat seine Freundin Julia mitgebracht, und Connor verliebt sich in die schöne junge Frau. Auch Julia fühlt sich zu Connor hingezogen, verleugnet aber ihre Gefühle. Als sich Ed bei einem dramatischen Einsatz schwer verletzt, bleibt Julia bei ihm – aus Mitleid. Connor, der sich schwere Vorwürfe macht, seinem Freund im entscheidenden Moment nicht geholfen zu haben, verschwindet aus dem Leben der beiden. In einem anderen Land, auf einem anderen Kontinent versucht er als Photograph in Krisengebieten Julia zu vergessen – mehr oder weniger erfolglos. Als er verletzt wird und nach Hause zurückkehrt, bitten Ed und Julia ihn, für die beiden mit einer Samenspende auszuhelfen, denn Ed ist wegen eines Medikamentes unfruchtbar geworden…

Fazit: „Der Feuerspringer“ tönt nach einer komplizierten Handlung mit einem dieser unmöglichen und vorhersehbaren Liebes-Dreiecke? Ja, ist es aber nicht. Und auch nicht so schnulzig, wie die Verfilmung von Nicholas Evans‘ Bestseller „The Horse Whisperer“ (Der Pferdeflüsterer) vermuten lässt. Im Gegenteil, die Beschreibung der Löschaktionen ist unheimlich spannend und die Liebe erstmal Nebensache. Ausserdem geht es vielmehr um die üblichen grossen Lebens-Themen wie Sinnsuche, Vergangenheit und Glück. Wie immer gilt: Wenn möglich im Original lesen!

12 Bücher in 12 Wochen (II): Das erste Buch, das du je gelesen hast

Hm… was zählt hier als Buch? Was zählt als Lesen? Die ersten Bücher, die ich mehr oder weniger „gelesen“ habe, sind wahrscheinlich die im deutschen Sprachraum bekannten Pixi-Büchlein und deren Nachahmer.

Quelle: Carlsen Verlag

Hier sind mir auch noch die Titelbilder in Erinnerung, z.B. das „Federbällchen“ und „Donald mit Ziege“. Möglicherweise liegen diese Exemplare sogar noch irgendwo zu Hause rum – mehr oder weniger stark zerfleddert, denn die Büchlein haben auch Cousins, Nachbarskinder und andere Gleichaltrige unterhalten.

Fleissig gewidment habe ich mich auch den Lustigen Taschenbüchern. Die stehen immer noch in Reih und Glied im Schrank, wenn auch mit Gebrauchsspuren. Lesen konnte ich die natürlich zu Anfang noch nicht, denn das habe ich erst in der Schule gelernt.

Quelle: Pestalozzi-Verlag

Das erste „richtige“ Buch, das ich ausserhalb der Schule gelesen habe, müsste allerdings „Das Kätzchen, das nach Hause wollte“ von Jill Tomlinson gewesen sein. Die getigerte Mieze heisst Suzy, hat weisse Schnurrhaare, ein Paar Fussballsöckchen an den Vorderpfoten, frisst gerne Fisch und liebt es, gegen den Strich gestreichelt zu werden. Und irgendwann steigt Suzy in einen Korb, der zu einem Heissluftballon gehört und Suzy auf eine grosse Abenteuerreise mitnimmt.

Quelle: Schneider Verlag

 

Mehr weiss ich eigentlich gar nicht mehr – ausser, dass es natürlich wie in allen Kinderbüchern ein Happy End gibt. Und dass die Liebe zu Katzenbüchern noch ein paar Jahre angehalten hat.

12 Bücher in 12 Wochen (I) – Das Buch, das du zur Zeit liest

Wie ihr ja bereits wisst, lese ich immer mehrere Werke parallel. Mein „Hauptbuch“ zur Zeit ist allerdings „Déjà Dead“, der erste Kriminalroman von Kathy Reichs.

Wie ihre Schöpferin ist die Romanfigur Dr. Temperance „Tempe“ Brennan forensische Anthropologin. Halbverweste Leichenteile und Skelettfunde gehören zu ihrem Alltag. Sie pendelt ständig zwischen North Carolina und der Provinz Québec, lehrt an der Universität und arbeitet für das Office of the Medical Examiner in North Carolina sowie für das Laboratoire de Sciences Judiciaires et de Médecine Légale in Montréal. Obwohl es Ähnlichkeiten in der Biographie gibt, beharrt Reichs aber darauf, dass Brennan nicht ihr Alter Ego sei.

In „Déja Dead“ (dt. Tote lügen nicht) wird Temperance Brennan im Sommer 1994 bei den Vorbereitungen für ihr Wochenende in Montréal gestört, als die Polizei eine fast vollständig verweste Leiche mit abgetrennten Gliedmassen findet. Tempe wird mit der Untersuchung der in Müllsäcken verpackten Knochen beauftragt – das Wochenende ist ruiniert. Brennan sieht bei der Untersuchung der Knochen Parallelen zu einem ähnlichen Fall, den sie vor einem Jahr hatte und erkennt Zusammenhänge mit zwei weiteren Leichenfunden. Da die Polizei aber nicht an einen Serienmörder glauben will, ermittelt Brennan auf eigene Faust – und bringt dabei sie nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr.

Wissenswertes: Ihr Debüt „Déja Dead“ hat einige Preise eingeheimst. Kathy Reichs hat mit ihrer Protagonistin auch die Grundlage zur TV-Serie „Bones“ geschaffen. Im Gegensatz zur Filmfigur Bones ist die Romanfigur Tempe allerdings älter, bereits geschieden und hat eine Tochter. Ausserdem ist sie trockene Alkoholikerin. Bones schreibt in ihrer Freizeit zudem erfolgreich Bücher – mit der forensischen Anthropologin „Kathy Reichs“ in der Hauptrolle.

Fazit: Da ich erst vier oder fünf Kapitel gelesen habe, kann ich noch nicht soviel zum Buch sagen. Spannend (und etwas gruselig) ist es aber schon nach kurzer Zeit. Über die blumigen Umschreibungen kann ich grosszügig hinwegsehen – die verstehe ich auf Englisch eh nicht immer vollständig *lach*. Man sollte beim Lesen einfach nicht zuviel „Bones“ im Kopf haben und das Buch als eigenes Werk sehen. Ich warte allerdings trotzdem dauernd auf das Auftauchen von Seeley Booth…

Blogstöckchen II – 12 Bücher in 12 Wochen

Bei meinem letzten Blogstöckchen drehte sich alles um Filme. Dieses Mal soll es sich um ein anderes Medium drehen.

Letzten Sommer geisterte ein tolles Blogstöckchen durch die Blogosphäre: 31 Bücher in 31 Tagen. Blogger stellten dabei jeden Tag eines Monats ein Buch (anhand vorher festgelegten Regeln vor). Da dieses Blogstöckchen natürlich sehr zeitintensiv ist, haben die meisten sich wochenlang gut vorbereitet und vorgebloggt, um auch jeden Tag einen Beitrag online stellen zu können.

Das Blogstöckchen gibt es nicht nur in ausgeweiteten (100 Bücher in 356 Tagen), sondern auch in abgespeckten Formen (52 Bücher in 52 Wochen), und eines dieser Stöckchen habe ich jetzt aufgenommen. Um täglich zu bloggen, fehlt mir leider die Zeit. Und ich möchte euch auch nicht zuviele Bücher auf einmal zumuten 😉