Rückkehr des Serienhelden: MacGyver Reboot 2016

Wer sich über das Line-Up aktueller und anstehender Film- und Serienprojekte schlau macht, reibt sich wahrscheinlich verwundert die Augen: Twin Peaks, Baywatch, Prison Break, Rush Hour, 24, Lethal Weapon… In welchem Jahr befinden wir uns eigentlich schon wieder? Es scheint, als seien den Filmemachern mal wieder die Ideen ausgegangen… Neben Prequels und Sequels gibt es jede Menge Reboots, Remakes und Reimaginations zur Auswahl.

Eines dieser angekündigten Reboot-Projekte für den Serienherbst 2016 ist MacGyver.

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Nicholas Sweedo bloggt auf „The MacGyver Project“ mittlerweile nicht mehr nur zu MacGyver, sondern auch über andere Projekte wie Legend, Quantum Leap oder Disney Filmsongs. Er hat mich letzte Woche gebeten, für seinen Blog einen Gastbeitrag zum MacGyver Reboot zu schreiben – hauptsächlich, wie das Projekt überhaupt zustande gekommen ist, welche Personen involviert sind, was aktuell läuft und meine Meinung dazu. Diesen Beitrag in englischer Sprache – mein erster Gastbeitrag überhaupt – findet ihr übrigens hier.

Eine Kurzversion meiner Meinung in meiner eigenen Sprache will ich euch natürlich nicht vorenthalten – vorallem, weil es soviel einfacher ist, auf Deutsch zu schimpfen und zu argumentieren… 😉

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Die Originalserie „MacGyver“mit Richard Dean Anderson muss ich euch kaum vorstellen. Angus MacGyver ist der Serienheld meiner Kindheit und die Serie gehört noch heute zu einer meiner Favoriten. Tatsächlich habe ich schon Blogbeiträge dafür aufgewendet – zum Beispiel weil die Serie meinen Lieblingsbösewicht Murdoc enthält oder weil ich keinen anderen Serienhelden kenne, der so oft auf die Nase kriegt wie MacGyver.

 

Was bisher geschah

Als letzten Oktober der Hollywood Reporter über einen MacGyver-Reboot berichtete und Deadline im Februar diesen Jahres die definitive Bestellung eines Serienpiloten durch die Produktionsfirma CBS bestätigte, war die Aufregung gross. Umso mehr, als nur wenige Tage später bekannt wurde, dass Lionsgate zusätzlich einen MacGyver-Film produzieren möchte.

Die Aufruhr bei den Fans wurde nicht kleiner, als klar war, dass der Reboot ein Prequel ist und Original-MacGyver Richard Dean Anderson nicht mit von der Partie sein würde. Geleakte Infos zu den Charakteren und zum Drehbuch taten ihr übriges. Nichtsdestotrotz fiel am 30. März 2016 der Startschuss zu den Dreharbeiten der Pilotfolge, wie die Assistentin des Regisseurs twitterte:

via https://twitter.com/TheMegLB
via https://twitter.com/TheMegLB

Anfang Mai war die Pilotfolge im Kasten und wurde wenige Wochen später an den CBS Upfronts mit einem Trailer vorgestellt. Wer die lange Fassung möchte, kann dies gerne auf meinem Gastbeitrag nachlesen – wer die kurze Fassung bevorzugt: der Trailer kam nicht besonders gut an und böse Kommentare zur Frisur von MacGyver-Darsteller Lucas Till (X-Men) gehörten noch zu den harmlosesten Aussagen.

CBS forderte trotzdem eine erste Staffel von 13 Folgen. Allerdings rollten ein paar Köpfe, denn die Pilotfolge sollte nochmals komplett neu gedreht werden: Regisseur und Crew wurden komplett ausgetauscht; ebenso sämtliche Nebendarsteller. Bleiben durften lediglich Lucas Till als neuer MacGyver sowie Co-Star George Eads (CSI). Zum zweiten Mal wurde der Drehbuchschreiber ausgetauscht: Peter Lenkov (Hawaii Five-0) darf das Drehbuch für die neue Pilotfolge schreiben; James Wan (SAW) wird hinter der Kamera stehen. Die Dreharbeiten werden von LA nach Atlanta verlegt.

via https://www.instagram.com/lucastill/
via https://www.instagram.com/lucastill/

Kurz darauf wurden sämtliche bereits veröffentlichte Tweets, Facebook-Einträge und Bilder von den offiziellen sozialen Medien-Profilen gelöscht. George Eads erhielt klammheimlich auf der CBS-Website einen neuen Charakter zugeteilt, den wir bereits aus der Originalserie kennen: Jack Dalton. Nur, dass Jack damals gleich alt war wie MacGyver und kein ehemaliger CIA-Agent, sondern Möchtegern-Pilot. Wenig später verkündete Deadline einen weiteren neuen Nebendarsteller: Justin Hires (Rush Hour) als Wilt Bozer – damals Hausboot-Nachbar von MacGyver, neu ambitionierter Mitbewohner und sehrwahrscheinlich Möchtegern-Komödiant.

 

Wo stehen wir nun?

Noch diesen Monat wird mit dem Dreh der neuen Pilotfolge mit dem Titel „The Rising“ begonnen. Die Ankündigung der restlichen Cast-Mitglieder lässt bestimmt nicht mehr lange auf sich warten, denn am 23. September ist bereits die US-Premiere.

via https://twitter.com/MacGyverCBS
via https://twitter.com/MacGyverCBS

Was ist meine Meinung dazu?

Ich bin generell kein Fan von Remakes und Reboots und ich kann mit den meisten modernen Serien und Filmen nicht besonders viel anfangen – hauptsächlich deswegen, weil es mir darin zuviel schnelle Bum-Bum-Action mit CGI gibt und zu wenig starke und interessante Charaktere (die über mehr als nur eine einzige Staffel stark und interessant bleiben und nicht dauernd sterben und wiederauferstehen oder im ewigen Liebes-Hin-und-Her-Wirrwar enden).

Natürlich gehörte ich ebenfalls zu den Fans, die bei der Verkündung des Reboots laut aufstöhnten. Man sollte doch meinen, es gebe genügend fantasievolle Drehbuchschreiber und Serienentwickler da draussen, so dass man nicht alles aus den 80ern neu auflegen (und dabei auch noch verhunzen) muss.

Mittlerweile bin ich aber neugierig geworden, was sie daraus machen. Falls das Ergebnis katastrophal-peinlich ausfällt, haben wir ja immerhin noch das Original. Falls es gut wird, gibt es eine neue Generation von MacGyver-Fans, ein Franchise einer bereits bekannten Marke mit Spinoff-Potential und einen Kinofilm.

Ich kenne Lucas‘ Schauspielleistungen nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass er den Charakter überzeugend zu darstellen vermag. Allerdings tue ich mich schwer mit dem Konzept, den Reboot einer Serie, die im Original in den 80ern spielt, für die heutige Zeit zu adaptieren. Ich bin ich immer noch der Meinung, dass ein Sequel die bessere Wahl gewesen wäre.

Fans der Originalserie wissen: Im Serienfinale der 7. und letzten Staffel lernt MacGyver seinen Sohn kennen, der damals Anfang 20 war. Die Serie endete 1992; sein Sohn S.A.M. wäre also mittlerweile in seinen 40ern. Wieso sollte er nicht selber einen Sohn haben oder noch besser: eine Tochter? Dieses Jahr wurden mehrere Serien mit weiblichen Rollen im Mittelpunkt eingestellt, um Platz für neue Serien mit männlichen Actionhelden nach altbekanntem Rezept zu schaffen. Dass entgegen den Versprechungen der letzten Jahre nun doch kein weiblicher MacGyver verwirklicht wird, war einer der Haupt-Kritikpunkte vieler entrüsteter Social-Media-Nutzer, nachdem der Trailer der CBS Upfronts im Internet verbreitet worden war.

Ein Sequel mit MacGyver’s Enkel (egal ob männlich oder weiblich) würde ebenfalls in der heutigen Zeit spielen – ausserdem könnten viele der Originaldarsteller (z.B. Bruce McGill, Teri Hatcher oder Michael DesBarres) in Cameo’s auftreten. Richard Dean Anderson hat sich erst letztens auf einer Convention in Neuseeland wiederholt gegen ein Remake im Smartphone-Zeitalter ausgesprochen – seiner Meinung nach wäre MacGyver ein Computernerd, der sich die Lösung eines Problems einfach über sein Handy „ergoogeln“ könnte; und was wäre daran schon spannend? Recht hat er ja schon – deshalb bin ich erst recht gespannt, wie sie damit in den ersten Folgen umgehen werden. Natürlich hoffe ich immer noch, dass Anderson im Reboot eine kleine Rolle haben wird – und sei es nur als Zeitungsverkäufer oder grummeliger Nachbar. Falls der mittlerweile 66-jährige Anderson doch keine Lust hat, könnte ja seine Tochter Wylie eine Rolle übernehmen – die ist nämlich etwa 18 und ebenfalls Schauspielerin.

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